Die Erfindung des Internets ist für die Menschheit die einschneidendste Veränderung seit der Entdeckung des Feuers. So oder so ähnlich hat das John Perry Barlow höchstpersönlich gesagt. Ich will mir nicht vorwerfen lassen, falsch zu zitieren, auf die in der Wissenschaft als “Gänsefüßchen” betitelten Satzzeichen verzichte ich also. Die Wissenschaft. Während meines jugendlichen Ferienjob-Engagements “auf’m Bau” habe ich gelernt, dass neben “die Poliddiger do Oube” auch  ”die studierde Wisseschafdler in derre Büros ke Ahnung davo höm, wos in unnerm Land und sowieso gleich garnedd beim normale arbeidende Mann abgehd”. Wenn es die Kommunkationswissenschaft mit all ihren Ablegern schafft, Tabak-, Springer- und Hopfenprodukte an den Mann zu bringen, warum nicht auch ansatzweise wissenschaftliche Inhalte?!

Kommuniziert!

In Zeiten, in denen Marietta Slomka für ihre klare und verständliche Sprache den Medienpreis für Sprachkultur erhält, sollten doch selbst die karrieregeilsten Professoren und Professeusen erkannt haben, dass sich Kommunikation mit jedem Teil der Gesellschaft in irgendeiner Weise lohnen könnte. Der idealisierte Wissenschaftler sollte – vielleicht noch stärker als der Künstler – die Chancen des Netzes erkennen: Kollaboratives Arbeiten, Kommunikation mit Öffentlichkeiten, freies Publizieren und schließlich der Rückkanal, der abgehobene Ausdrucksweise sofort bestraft. Um verständlicher zu werden. Um Forschung voranzutreiben. Für eine bessere Gesellschaft. And so on. Wie die Kunst ist aber auch die Wissenschaft zu einer Industrie pervertiert, die oftmals von Profit- und Image-Absichten geleitet ist. Klar ist das menschlich und unreflektiert betrachtet auch verständlich. Verständlich, dass ein Forscher seine Arbeit honoriert wissen will. Unverständlich, wenn er die Möglichkeiten des Netzes nicht erkennt. Dazu wieder ein Zitat von John Perry Barlow (ZDF-Beitrag, ab 13:28 min; übersetzt): ”Ich kann den größten Diamanten der Welt in meiner Tasche haben und selbst wenn niemand davon weiß, ist dieser Diamant unglaublich viel wert. Wenn ich aber das beste jemals geschriebene Lied in meinem Kopf habe ist es so lange komplett wertlos bis ich es aufschreibe und in die Köpfe anderer Menschen bringe”. Wenn wir über Sinn und Unsinn eines Urheberrechts diskutieren, müssen wir auch über die Wissenschaft sprechen.

Bloggt!

Raus mit euren Ergebnissen, rein in einen Dialog! Bloggt, twittert, postet wo auch immer! Klar ist das wissenschaftliche Bloggen in Deutschland noch immer ein Randphänomen. Ob das an einem vermeintlichen Selbstbild der Unantastbarkeit, an einer möglichen Steifheit oder schlichtweg einer gewissen Faulheit der wissenschaftlichen Akteure liegt, kann ich natürlich nicht beantworten. Auch werde ich wohl niemals in der Situation sein, mit meiner Forschungstätigkeit meinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Es fällt mir entsprechend leicht, eine freie Verfügbarkeit von Forschungsergebnissen und eine für die Gesamtgesellschaft klar verständliche Darstellung dieser zu fordern. Vielleicht idealisiert, vielleicht zu früh. Eines aber kann man von euch wissenschaftlichen Arbeitstieren im Jahre 2012 als kleinen Schritt in die richtige Richtung fordern: Vernetzt euch!

Darum!

Genau aus diesem Grund will ich meine wissenschaftliche Arbeit auf dem Weg zu Bachelortitel und Rose via Blog begleiten. Nicht weil ich mich für einen großen Wissenschaftler halte, mir beim Publizieren einer abgeht oder ich die Darstellung Aserbaidschans im Bezug auf alle Gesellschaftsschichten für unfassbar relevant, sondern weil ich es für den richtigen Weg halte. Hach, bin ich ein guter Mensch.